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Karnevalistischer Klatsch und Tratsch aus der Mainzer Schwellköpp-Familie

Wer kennt sie nicht, die überdimensional großen Schwellköpp-Figuren, die man zum Jugendmaskenzug, zum Tanz auf der Lu und auf dem Rosenmontagszug in Mainz jedes Jahr wieder durch die Straßen ziehen sieht? Aber was hat es eigentlich auf sich mit diesem närrisch-lustigen Familienclan, der traditionell zu Karneval das Mainzer Volk zum Narren hält?

Die Schwellköpp (zu hochdeutsch: Geschwollene Köpfe) ist eine Familie aus überdimensional große Pappmachéköpfen, die von Trägern beim den wichtigsten Mainzer Karnevalsumzügen zur Auflockerung zwischen den einzelnen Umzugswagen und Fußgruppen präsentiert werden. Seit 1927 sind sie für die Mainzer Fastnacht ins Leben gerufen worden. Die Schwellköpp zeigen satirisch überspitzt typische Mainzer Charaktere und Eigenschaften beiderlei Geschlechtes.

Die Schwellköpps sind eine zahlreiche Familie. Jede Figur hat ihren eigenen Charakter und Angewohnheiten und jeder wird eine eigene Lebensgeschichte angedichtet: Da gibt es den "Butze" - den Schutzmann, der auf seinem Rundgang durch die Stadt an fast jeder Kneipe hängenbleibt, und überall etwas spendiert bekommt, damit er bei nächster Gelegenheit mal ein Auge zudrückt. "Butze" ist der Bruder von der angeberischen "Eulalia". Die ist wiederum mit dem "Fleebutz" verheiratet, der noch einen Zwillingsbruder hat, den "Schoode". Ein anderer Bruder von "Eulalia" ist der "Schnorres", benannt nach seinem schönen Schnurrbart. Er ist mit "Strunzern" verheiratet.

Und die liebe Karnevalsverwandtschaft um die Schwellköpp-Familie ist noch ausgedehnter: Der Sohn von "Strunzern" ist "Long Latt". Aber so genau weiß wohl keiner, wer der eigentliche Vater ist. Vielleicht ist es ja der Seemann "Onkel Theobald" mit seinen Geschichten aus aller Welt und seinem feinen Zylinder? Vornehm tut auch gerne die "Scheel Amerell" mit ihrem Schleierhut, die eine eher feuchte Aussprache dank ihrer Zahnlücke hat. Sie ist mit dem Gemüsemann "Schorsch" verheiratet. Die beiden sind regelrechte Streithähne, denn "Amerell" gibt das von "Schrosch" sauer verdiente Geld gleich gerne wieder aus.

Zu erwähnen ist auch noch das "Lisbetche", die reiche Cousine von der "Scheel Amerell". Zu Geld ist sie als Köchin eines reichen Mannes gekommen, mit dem sie ein Verhältnis gehabt hat und sich angeblich solange mit ihm betrunken hat, bis er tot war. Nun ist sie glücklich mit dem "Hennesje" verheiratet, der seinen Sohn "Karlche" mit der Himmelfahrtsnase gleich mit in die Ehe gebracht hat.

Wie man sieht, kann den lustigen Schwellköpp-Haufen rund um "Lackaff" und "Quatschkopp" mit seinen etwa 30 Charakteren eigentlich so schnell gar nichts mehr umhauen. Außer vielleicht starker Wind: Den Trägern der Riesenköpfe macht das Wetter ab und an auf den sieben Kilometern durch Mainz am Karnevalsumzug zu schaffen. Die selbstgemachten Figuren sind schließlich bis zu zwei Meter groß und wiegen zwischen 25 und 35 Kilo. Gut, dass die Familie, wenn es hart auf hart kommt, trotz der vielen kleinen Reibereien doch dann immer wieder fest zusammenhält! Schwellköpp Helau!

Quelle: main-rheiner.de, swr.de
Bild: mrs.flax (Flickr)

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